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EXKLUSIV: Südkorea-Nationalspieler Lee Han-beom "träumt" von der Bundesliga

Es passiert wahrlich nicht oft, selbst nicht den ganz Großen wie Lionel Messi, dass ein Fußballer innerhalb einer einzigen Woche die nationale Meisterschaft haarscharf verpasst, das goldene Tor im Pokalendspiel erzielt und kurz darauf in den WM-Kader seines Heimatlandes berufen wird.

Für den südkoreanischen Nationalspieler Lee Han-beom vom FC Midtjylland wurde genau dieses hochemotionale Szenario Realität. Es war der Abschluss einer spektakulären Saison, in der er sich vom weitgehend unbeschriebenen Blatt zu einer festen Größe in der dänischen Superliga und im Nationalteam entwickelte.

Nachdem er bereits bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2019 nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht hatte, sicherte sich Midtjylland im August 2023 die Dienste des Innenverteidigers. Lee wechselte damit nur einen Monat nach seinem Landsmann, dem Stürmer Cho Gue-sung, in die jütländische Heide.

Obwohl er als einer der am höchsten gehandelten Abwehrspieler der südkoreanischen Liga nach Dänemark kam, lief der Start holprig. Das lag vor allem an der Defensivphilosophie Midtjyllands: Der Klub setzt primär auf eine kompromisslose Manndeckung, während Lee bis dahin an eine raumorientierte Verteidigung gewöhnt war.

Lee bewies jedoch schnell, dass er neben seinen unbestrittenen Qualitäten als Innenverteidiger auch die mentale Stärke besitzt, um Widerstände zu überwinden. Mit unermüdlichem Einsatz erkämpfte er sich einen Stammplatz im Team von Midtjylland, das für seine extrem physische Gangart bekannt ist. Seine beeindruckende Bilanz: 49 Pflichtspiele, zwei Tore und vier Vorlagen.

Die Krönung einer ohnehin starken Saison folgte im dänischen Pokalfinale gegen den FC Kopenhagen, als der 23-Jährige den entscheidenden Siegtreffer markierte. Nur zwei Tage später flatterte die offizielle Nominierung für den südkoreanischen WM-Kader ins Haus.

In diesem exklusiven Interview mit Flashscore spricht Lee über die Herausforderungen bei der Eingewöhnung in eine neue Kultur, über die fremde Mentalität und ein Defensivsystem, das sich grundlegend von dem der südkoreanischen Nationalmannschaft unterscheidet.

Zudem gibt er spannende Einblicke in den physischen Spielstil des FC Midtjylland, analysiert die Gründe für den Rückstand auf den frischgebackenen Meister AGF Aarhus und lässt sein Finaltor gegen Kopenhagen Revue passieren. Schließlich blickt er voller Vorfreude auf das Abenteuer Weltmeisterschaft und schätzt die Chancen Südkoreas in der Gruppenphase ein.

Wie haben Sie sich in Dänemark eingelebt?

"In meinem ersten Jahr kam ich kaum auf Spielzeit und hatte zudem mit der Sprachbarriere zu kämpfen. Ich bin aber ruhig geblieben und habe mich voll auf das Training fokussiert. In dieser Saison hat mir der neue Trainer dann viel Vertrauen geschenkt und mir Spielpraxis gegeben – dadurch fiel das Einleben natürlich viel leichter. Auch Cho Gue-sung war eine riesige Hilfe. Es war extrem wichtig, jemanden im Verein zu haben, dem ich mich anvertrauen konnte, wenn ich mal frustriert war oder Probleme hatte."

Zu Beginn Ihrer Zeit in Dänemark mussten Sie oft zuschauen. Wie sehr hat Sie diese Reservistenrolle belastet?

"Als es anfangs überhaupt nicht lief, habe ich tatsächlich nach Auswegen gesucht und versucht, eine Leihe zurück nach Korea oder zu einem anderen Klub zu forcieren. Als das nicht klappte, habe ich meine Situation einfach wie die eines Praktikanten betrachtet: Ich habe den Kopf runtergenommen und im Stillen hart an mir gearbeitet."

Der FC Midtjylland ist ein Topklub, von dem Titel erwartet werden. Sie hatten die Chance auf das Triple, am Ende wurde es eine Trophäe. Würden Sie die Saison als Erfolg verbuchen?

"Auch wenn uns die Meisterschaft am Ende unglücklich durch die Lappen gegangen ist, war es für mich eine erfolgreiche Saison. Das Pokalfinale durch mein Tor zu entscheiden und den Titel zu holen, war natürlich fantastisch. Zudem haben wir uns in der Europa League gegen Top-Teams wie Nottingham Forest absolut teuer verkauft."

AGF Aarhus hat Ihnen im Meisterrennen den Rang abgelaufen. Was macht Aarhus im Moment besser als Midtjylland?

"Eigentlich hatten wir im direkten Vergleich mit Aarhus eine fast makellose Bilanz. Der entscheidende Unterschied war aber, dass Aarhus seine Pflichtaufgaben in den vermeintlich einfacheren Spielen konsequent gelöst hat, während wir im Titelrennen hier und da unnötig Punkte liegengelassen haben. Sicherlich hat auch der extrem dichte Terminkalender ab der Saisonmitte eine Rolle gespielt, als wir gleichzeitig in der Europa League, im Pokal und in der Liga voll gefordert waren."

Midtjylland hat in dieser Saison die meisten Gelben Karten der Liga kassiert und steht wegen des extrem robusten Spielstils oft in der Kritik. Wie gehen Sie damit um?

"Da unser System auf strikter Manndeckung basiert und der Trainer von uns fordert, Angriffe frühzeitig und auch mal durch taktische Fouls zu unterbinden, ist die hohe Kartenquote fast schon folgerichtig. Ich selbst habe auch ein paar Verwarnungen gesammelt, aber da ich wohl etwas smarter zu Werke ging als manche Kollegen, bin ich glücklicherweise um eine Gelbsperre herumgekommen. (lacht)"

Nehmen Sie uns noch einmal mit zu Ihrem Tor im Pokalfinale. War das der bisherige emotionale Höhepunkt Ihrer Karriere?

"Im Training üben wir sehr intensiv, bei Standardsituationen im richtigen Moment in die Schnittstellen der Abwehr zu stoßen. Im Finale flog der Ball bei den Ecken und Freistößen gefühlt ständig in meine Richtung. Ich hatte irgendwann im Urin, dass ich heute treffe, und bin überglücklich, dass es geklappt hat. Wobei ich mir bis heute nicht ganz sicher bin, ob die Flanke bei meinem Tor überhaupt für mich gedacht war. (lacht)"

Vor welchem Gegenspieler hatten Sie bislang den meisten Respekt, oder wer war der beste, gegen den Sie gespielt haben?

"Es ist schwer, sich auf einen festzulegen, aber Morgan Gibbs-White von Nottingham Forest war defensiv die größte Herausforderung. Er war zwar nicht mein direkter Gegenspieler im Sturmzentrum, aber wenn man sieht, wie viel Mühe meine Kollegen hatten, ihn zu kontrollieren, merkt man sofort: Das ist ein extrem spielintelligenter und zäher Akteur. Ihn in Manndeckung zu nehmen, wäre ein Albtraum."

Gibt es einen Traumverein, für den Sie in Zukunft gerne einmal auflaufen würden?

"Mein absoluter Traumklub ist Manchester City. Ich würde unglaublich gerne einmal unter Pep Guardiola spielen. Aber es muss nicht zwingend die Premier League sein – auch die deutsche Bundesliga ist eine große Liga, von der ich träume."

Sie wurden nun offiziell in den südkoreanischen WM-Kader berufen. Was bedeutet Ihnen das und wie haben Ihr Umfeld und Ihre Teamkollegen reagiert?

"Ehrlich gesagt hatte ich mir schon Hoffnungen gemacht, da die letzten Länderspiele gegen Österreich und die Elfenbeinküste für mich persönlich wirklich gut liefen. Als die Nominierung dann offiziell war, haben sich meine Familie und meine Mitspieler sofort riesig für mich gefreut, und mein Handy stand wegen der vielen Glückwünsche kaum noch still."

Ihr Vereinskollege Cho Gue-sung steht ebenfalls im Aufgebot. Haben Sie sich schon über das bevorstehende gemeinsame Abenteuer ausgetauscht?

"Natürlich. Obwohl wir im Verein Tag für Tag zusammen auf dem Platz stehen, ist uns beiden bewusst: Eine Weltmeisterschaft ist eine völlig andere Dimension. Wir haben darüber gesprochen, wie surreal und besonders es sich anfühlen wird, diese Bühne gemeinsam im Trikot der Nationalmannschaft zu betreten."

Südkorea trifft in der Gruppenphase auf Mexiko, Südafrika und die Tschechische Republik. Wie schätzen Sie die Chancen auf das Achtelfinale ein und wer wird der härteste Brocken?

"Ich glaube, dass Südafrika die kniffligste Aufgabe für uns wird. Über afrikanische Teams liegen uns generell weniger Informationen vor. Ich habe mich aber mit einem afrikanischstämmigen Teamkollegen bei Midtjylland unterhalten. Er hat mich gewarnt, dass Südafrika ein extrem aggressives Team stellt, das gleichzeitig einen sehr gepflegten Spielaufbau pflegt. Zudem haben sie eine herausragende WM-Qualifikation gespielt – das wird ein hartes Stück Arbeit."

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