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"Finale Entscheidungen": Bundestrainer Nagelsmann aktiviert den WM-Modus

"Wir müssen noch viele Gespräche führen und finale Entscheidungen treffen", beschrieb Nagelsmann nach dem glanzlosen 2:1 (1:0) gegen Ghana die Aufgaben bis zur Nominierung seines WM-Kaders am 12. Mai. In einer längeren Kabinenansprache schwor der Bundestrainer seine Spieler noch in Stuttgart auf die Jagd nach dem fünften Stern ein. Für den restlichen Saisonverlauf äußerte er zwei Wünsche: keine weiteren Verletzungen und viele Trophäen fürs Selbstvertrauen. "Ich drücke die Daumen, dass die Spieler möglichst viele Titel mitbringen."

Zum Match-Center: Deutschland vs. Ghana

Am 19. Juli würde Nagelsmann selber gerne den goldenen WM-Pokal in den Händen halten. Favorit sei der viermalige Weltmeister zwar nicht, betonte Nagelsmann, bei einem guten Start ins XXL-Turnier sei dort aber "alles möglich". Seine WM-Startelf hat der 38-Jährige im Kopf - mit kleineren Fragezeichen. Wird Zauberfuß Jamal Musiala richtig fit? Wie schlimm ist die Verletzung von Felix Nmecha? Und besitzt die wacklige Abwehr wirklich Turnierreife?

Undavs Rolle bleibt die des Jokers

Der Frankfurter Nathaniel Brown drängt sich immerhin als Alternative für den defensiv anfälligen David Raum hinten links auf. Kapitän Joshua Kimmich, Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck sind vor der Nummer eins Oliver Baumann erst einmal gesetzt. Davor geht die Tendenz klar zu Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka. In der offensiven Dreierreihe sollen im Idealfall Serge Gnabry, Musiala und Künstler Florian Wirtz hinter Stürmer Kai Havertz wirbeln.

Und Siegtorschütze Undav? Den sieht Nagelsmann weiter als Joker. Seine Rollengespräche habe er ja "nicht für die März-Spiele gemacht, sondern für die WM", stellte Nagelsmann klar. Undav betonte nach seinem emotionalen Heimspiel zwar, dass er seine Rolle kenne, "aber durch Tore - und auch wichtige Tore - kann sich die Rolle vielleicht verändern". Die Antwort von Nagelsmann war eindeutig: "Wir brauchen auch im Sommer Joker, um Spiele zu entscheiden. Das ist sein Auftrag, das ist seine Rolle."

Kein Verständnis hatte Nagelsmann für die Pfiffe der Fans noch vor der Einwechslung des immer wieder polarisierenden Sanés. "Wenn wir uns gegenseitig zerfleischen, dann wird es nicht besser", sagte er - und traf damit den Nerv seiner Spieler. Die Pfiffe seien "absoluter Schwachsinn" gewesen, polterte Torwart Alexander Nübel.

Für den "American Dream" muss die DFB-Auswahl als geschlossene Einheit auftreten. Sieben Siege in Serie bringen Selbstvertrauen, große Gegner wurden dabei aber nicht geschlagen. Das Team ist ein gutes Stück vom Selbstverständnis entfernt, das Weltmeister Argentinien und Europameister Spanien vor ihren Titelgewinnen entwickelt hatten.

Karl macht Eindruck

"Wir brauchen viele Spieler in einer sehr guten Verfassung. Und dann schauen wir mal, was geht", sagte Kimmich. Entscheidend sei jetzt, "dass für die letzten zwei Monate jeder Spieler im Verein eine gute Form hat".

Auf Youngster Lennart Karl trifft dies aktuell zu. Der 18-Jährige vom FC Bayern betrieb bei seinen ersten beiden Länderspieleinsätzen reichlich Eigenwerbung. "Er hat einen super Eindruck gemacht. Frech, aber auch demütig", lobte Nagelsmann. Auch die Mitspieler waren angetan. Karl spiele "ein bisschen Ribéry-mäßig", sagte Undav.

Der Münchner dürfte damit gute Chancen auf einen Platz im 26er-Kader haben. Diesen hat Nagelsmann zu großen Teilen im Kopf. Bei einigen Spielern wird er in den nächsten Wochen aber noch einmal ganz genau hinschauen - wie am Dienstagabend in Eindhoven.

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