Vincent Kompany hatte nach einer denkwürdigen Uraufführung für den zweiten Akt eines historischen Fußball-Dramas nur eine "einzige Bitte" - und die richtete sich an das werte Publikum. "Wenn jemand eine Karte gekauft hat und er sich am Spieltag nicht wohl fühlt", sagte der Erfolgstrainer des FC Bayern vor dem Showdown gegen Paris Saint-Germain, dann möge er doch bitte zuhause bleiben und sein Ticket nur an die "allerfittesten Leute" weitergeben. Denn, so Kompany: Sein Team brauche auf der großen europäischen Bühne "die Wucht der Allianz Arena".
Doch der FC Bayern benötigt im Halbfinal-Kracher am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) gegen PSG nicht nur eine außergewöhnliche Atmosphäre - Harry Kane, Michael Olise und Co. müssen nach dem aberwitzigen 4:5 im Hinspiel des Gigantenduells einmal mehr über sich hinauswachsen, um auf dem Weg zum Triple und ins Finale nach Budapest (30. Mai) auch die allerletzte Hürde zu nehmen.
Match-Center: Bayern München vs. Paris Saint-Germain
Doch diese könnte gegen den Titelverteidiger um Weltfußballer Ousmane Dembélé höher nicht sein. Die Euphorie ist dennoch riesig. Der Rekordmeister hofft wie schon im spektakulären Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid (4:3) auf eine magische Münchner Nacht. "Ich habe jetzt schon Gänsehaut. Ich glaube, am Mittwoch wird hier die Arena brennen", sagte Leon Goretzka voller Vorfreude.
Dass die Bayern die Generalprobe gegen Heidenheim (3:3) verpatzten und in zuletzt sechs Spielen 16 (!) Gegentore kassierten - geschenkt! "Die Mannschaft", betonte Sportvorstand Max Eberl, "wusste bisher immer genau, auf was es ankommt. Und jetzt gegen Paris braucht man erst recht keinem sagen, auf was es ankommt."
Deshalb denken die Münchner in ihrem 14. Halbfinale in der Champions League (sechsmal schafften sie es ins Finale) auch nicht ansatzweise daran, an ihrer Offensiv-DNA, die insbesondere der 101-Tore-Sturm mit Kane, Olise und Luis Díaz vorlebt, etwas zu verändern. Man werde es "nicht akzeptieren, das anders zu machen", unterstrich Kompany. "Dafür", ergänzte Vize-Kapitän Joshua Kimmich, "sind wir zu erfolgreich gewesen."
Goretzka verspürt das "spezielle Gefühl"
Goretzka zieht schon jetzt Vergleiche zu jenem legendären Team, das 2020 unter Hansi Flick alle Trophäen inklusive des Henkelpotts (1:0 im Finale gegen PSG) abgeräumt hatte. Das "Selbstverständnis" von damals sei "in den vergangenen Wochen zurückgekommen", meinte der erfahrene Nationalspieler.
Das sei zwar keine Garantie für den Titel in der Königsklasse, "aber da ist das spezielle Gefühl, das du mit Glück vielleicht ein-, zweimal in deiner Karriere hast. Wir haben eine Mannschaft, in der jedes Rad ins andere greift. Wir haben individuelle Qualität und parallel diesen Hunger, diese Laufbereitschaft."
Das alles muss auch am Mittwoch passen, um bei der Premiere der neuen rot-weißen Trikots die Weltklasse-Offensive von PSG zu stoppen - jenem Pariser Team, das im vergangenen Jahr in München Europas Thron mit einer unfassbaren Dominanz (5:0 gegen Inter Mailand) erklommen hatte. Die Rückkehr an die Stätte des Triumphes wecke "schöne Erinnerungen", sagte PSG-Trainer Luis Enrique optimistisch.
Doch ansonsten gab es keine Zeit für große Gefühle. Für einen Sieg in der Allianz Arena, betonte Enrique vielmehr, brauche es nach dem Drama von Paris erneut "mindestens drei Tore". Denn: "Bayern wird mit der Unterstützung seiner Fans noch stärker sein." Darauf setzt auch Einpeitscher Kompany.