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Kommentar: Wie der Weltverband FIFA die WM-Ticketkäufer bewusst getäuscht hat

Der jüngste Coup des Weltverbandes riecht dabei stark nach moderner Wegelagerei. Über Monate hinweg wurden Fans im Glauben gelassen, mit der teuersten regulären Kategorie, der "Kategorie 1", den Gipfel des Möglichen erklommen zu haben. Farblich markierte Stadionpläne suggerierten, dass man für horrende Summen (wir reden hier von bis zu 12.000 Euro für das Finale) einen Platz im Unterrang sicher hätte.

Doch kaum waren die Plätze zugewiesen und der Frust über zugige Eckplätze oder Reihen hinter dem Tor abgeklungen, zauberte die FIFA wie ein schlechter Magier ein neues Kaninchen aus dem Hut: die "Front Category 1". Beim Spiel der Österreicher gegen Algerien kosten diese Eintrittskarten plötzlich knapp 800 Euro – mehr als das Doppelte des Preises zuvor. Beim Eröffnungsspiel der DFB-Elf gegen Curacao reden wir gar von einem Faktor von 2,5.

FIFA: Stadionpläne und Preise nur "indikativ"

Dieses Manöver ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Plötzlich tauchen Sitze in den vordersten Reihen auf, die zuvor offenbar absichtlich zurückgehalten wurden, um sie nun zum doppelten oder gar dreifachen Preis der ohnehin schon sündhaft teuren Kategorie 1 zu verscherbeln. Ein Platz in der fünften Reihe in Toronto für über 3.000 Euro? Ein Gruppenspiel von Argentinien für mehr als 1.500 Euro? Das ist kein Marktpreis, das ist ein Mittelfinger in Richtung der treuen Anhängerschaft.

Die FIFA rechtfertigt diesen Etikettenschwindel mit der schwammigen Ausrede von "indikativem Kartenmaterial", das lediglich der Orientierung diene. Man nennt es "nordamerikanische Normen" und verweist auf die "außergewöhnliche Nachfrage". Übersetzt heißt das: Wir nehmen es, weil wir es können. Dass sich der Weltverband gleichzeitig als Non-Profit-Organisation bezeichnet, die ihre Gewinne in die Entwicklung des Fußballs reinvestiert, wirkt angesichts dieser Gewinnmaximierung wie blanker Hohn.

Besonders perfide ist die psychologische Kriegsführung gegen den Fan. Erst werden Millionen von Ticketanfragen in einer "Zufallsauslosung" gesammelt, um eine künstliche Knappheit zu suggerieren. Dann werden den Fans zweitklassige Plätze in der teuersten Kategorie zugeschoben, nur um eine Woche später die "echten" Premium-Plätze (Stand 11. April – wer weiß, was noch kommt?) gegen einen massiven Aufpreis auf den Markt zu werfen.

Es ist ein System der bewussten Täuschung. Wer Kategorie 1 kaufte, kaufte in Wahrheit die Hoffnung auf einen Top-Sitz – und bekam oft nur das Recht, den besserverdienenden "Front Category"-Kunden beim Jubeln zuzusehen.

Normalverdiener unerwünscht

Wenn ein Spiel wie Usbekistan gegen die Demokratische Republik Kongo in Atlanta plötzlich knapp 1.000 Euro kosten soll, nur weil man etwas näher am Rasen sitzt, hat der Fußball seine Erdung endgültig verloren. Die WM 2026 droht nicht das Fest des Fußballs zu werden, das sie verspricht, sondern eine exklusive Gala für das oberste Prozent, flankiert von VIP-Hospitality-Paketen, die ganze Blöcke für den normalen Fan unzugänglich machen.

Die FIFA spielt hier ein gefährliches Spiel. Sie wettet darauf, dass die Gier nach dem Event größer ist als der Stolz der Fans. Doch wenn das Stadion zur sterilen Kulisse für jene verkommt, die Fußball nicht leben, sondern konsumieren, stirbt der Sport langsam von innen heraus. Die Botschaft der FIFA ist klar: Fußball ist für alle da – solange "alle" eine Platin-Kreditkarte besitzen. Alles andere ist nur "indikativ".

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