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Ohne Männerklub keine Chance? Der Absturz der SGS Essen aus der Frauen-Bundesliga

Lange hatte sich Essen als eine Art "gallisches Dorf" behauptet, gegen die größere Konkurrenz, ganz ohne Unterstützung eines Männer-Profiklubs. Am Sonntag kehrte jedoch die Gewissheit ein, dass kleine Vereine wie die SGS im wachsenden Wettbewerb kaum mehr mithalten können. Einmal noch hatte sich Essen im Stadion an der Hafenstraße gegen den Abstieg gestemmt, das Remis gegen Freiburg (1:1) besiegelte aber den Gang in die zweite Liga, tief im Westen trauerten fast 6000 Fans mit. Es ist eine Zäsur - und der Beginn einer neuen Ära.

Sie habe eine "unheimliche Hochachtung vor dem, was Essen geleistet hat", betonte DFB-Vizepräsidentin Heike Ullrich, sie "bedauere" den Abstieg, der aber "nicht überraschend" gekommen sei. Highlightspiele in großen Stadien gehören inzwischen zur Tagesordnung, Rekorde bei Zuschauerzahlen werden vermeldet, die Sichtbarkeit wächst. Und während die Entwicklung im Fußball der Frauen, die auch sie vorangetrieben hatte, den vorläufigen Höhepunkt erreichte, stürzte die SGS Essen ab.

Essen als anerkannte Talentschmiede

Als Essen 2004 in die Bundesliga aufstieg, dominierten Vereine wie Turbine Potsdam, der 1. FFC Frankfurt oder der FCR Duisburg. Seitdem wandelte sich die Liga stetig, doch während Potsdam ums sportliche Überleben kämpft und Frankfurt sich den Männern der Eintracht anschloss, hielt Essen mit cleverem Scouting, einer starken Jugendarbeit sowie der gezielten Förderung der Spielerinnen abseits des Rasens weiter mit.

Essen, geschätzt für seine Talentschmiede, holte zwar nie einen Titel, führte dafür aber Spielerin um Spielerin in den Profibereich - und verhalf so immerhin anderen Vereinen zu großen Erfolgen. Erst 2020 verlor die SGS das Pokalfinale dramatisch, vor zwei Jahren stürmte das Team sogar noch überraschend auf Rang vier. Erfolgscoach Markus Högner formte etliche Topspielerinnen, im vergangenen Sommer wechselte er aber zum höchst ambitionierten BVB. Was folgte, war eine Saison, in der das Unvermeidbare eintrat.

Der Abstieg, erklärte Ullrich, sei auf die Entwicklung der Liga zurückzuführen, darauf, dass die Investments und die Strukturen der Klubs an den größeren Standorten der SGS Essen "ein bisschen überlegen" seien. Aber auch das sei "der Markt", betonte sie. Essen, erklärte SGS-Manager Florian Zeutschler derweil zuletzt, könne einfach keine Topspielerinnen holen, "die zwischen 10.000 und 20.000 Euro im Monat verdienen". Bei teils querfinanzierten Klubs oder beim Branchenführer Bayern München und dem VfL Wolfsburg sieht das anders aus.

Der VfB Stuttgart und der FSV Mainz 05 freuen sich übrigens über den Aufstieg - und lassen die Frauen-Bundesliga immer mehr wie eine Kopie des Männer-Oberhauses aussehen.

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