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In den Fußstapfen von Streich - Julian Schuster auf dem Weg in den EL-Olymp

Auf dem vorläufigen Höhepunkt des Siegeszuges durch Europa stimmten die Freiburger Fans kürzlich reichlich angestaubtes Liedgut an: "Unser Capitano legt sich gern mal in den Dreck, morgens isst er Müsli, abends geht er früh ins Bett" schallte es aus der Kurve nach dem berauschenden Einzug ins Halbfinale der Europa League in Vigo - und weiter im Text: "Oooh Julian Schuster, du alter Gauner, schieß' noch ein Toooor!"

Für das Toreschießen ist Julian Schuster beim SC Freiburg seit dem Ende seiner Spielerlaufbahn 2018 nicht mehr zuständig. Und doch huldigt ihm der Freiburger Anhang mit dem alten Gesang, weil Schuster die Profis des Sport-Clubs bei ebendieser Aufgabe seit fast zwei Jahren exzellent anleitet - und den Klub nun zum mit Abstand größten Erfolg der Vereinsgeschichte führen könnte: Im Hinspiel des Europa-League-Halbfinals bei Sporting Braga am Donnerstag (21.00 Uhr/RTL) wollen die Breisgauer den Grundstein für den Einzug ins Endspiel legen.

Es ist eine erstaunliche Reise, die Schuster mit seinem Team seit dem Sommer 2024 zurückgelegt hat. Schließlich endete beim Sport-Club damals eine Ära, als Christian Streich nach zwölf Jahren auf der Trainerbank Adieu sagte. Mit Schuster stieg ein ehemaliger Schützling Streichs zum Chefcoach auf, der zuvor jahrelang als Verbindungstrainer im Nachwuchsbereich des Klubs gearbeitet hatte - aber keine Trainererfahrung in der Bundesliga besaß.

Match-Center: FC Braga vs. SC Freiburg

"Spiele" nicht "größer machen, als sie sind"

Schnell aber zerstreute Schuster alle Zweifel, die Fußstapfen seines Vorgängers könnten zu groß sein. Auf Anhieb führte der Novize den Sport-Club auf Rang fünf, verpasste die Champions League nur hauchdünn. Kurz darauf wurde er zum Fußballtrainer des Jahres 2025 gewählt. "Die große Herausforderung war sicher, mich selbst zu finden als Trainer", sagte er damals dem kicker, "ich bin vieles intuitiv angegangen und zugleich mit einer Offenheit, dazuzulernen."

Diese Offenheit hilft dem 41-Jährigen auch in seinem zweiten Jahr. Schuster fordert Input von seinen Profis ein, sieht Kritik als Chance zur Verbesserung. Mit seiner empathischen Art gelingt es ihm zudem, Einzelinteressen intern und geräuschlos zu moderieren. Die Mannschaft folgt ihrem lernwilligen Trainer, der sein Team im Vergleich zum Vorjahr nochmals weiterentwickelt hat.

Als Tabellenachter in der Bundesliga haben die Breisgauer bei noch drei ausstehenden Spieltagen alle Chancen, sich erneut für den Europacup zu qualifizieren; den Einzug ins DFB-Pokalfinale verpasste das Team beim 1:2 nach Verlängerung beim VfB Stuttgart denkbar knapp. In einem Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs stand der Sport-Club noch nie - der Einzug ins Europa-League-Finale in Istanbul am 20. Mai wäre die ultimative Krönung.

Es sei "wichtig, diese Spiele nicht größer zu machen, als sie sind", sagte Schuster zuletzt bei DAZN im Hinblick auf die anstehenden Halbfinal-Duelle mit Braga. Große Töne spucken, das ist nicht sein Ding. Und doch könnte es um Schuster bald wieder laut werden: Dann, wenn er mit dem Sport-Club erneut Geschichte geschrieben hat - und die Kurve ihr Fanlied für ihren ehemaligen Kapitän anstimmt.

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