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Italiens WM-Aus wird zum Politikum – Druck auf Verbandspräsident Gravina wächst

Schweden, Nordmazedonien, Bosnien. Die drei Playoff-Watschn für die stolze Fußball-Nation haben gesessen, in der Aufarbeitung soll kein Stein auf dem anderen bleiben. "Tiefgreifende Reformen" fordert der 82er-Weltmeister Giuseppe Bergomi, er kratzte im Interview mit web.de gar am Heiligen Gral des Catenaccio: In Italien, sagt Bergomi, werde zu defensiv gespielt!

Zum Match-Center: Bosnien & Herzegowina vs. Italien

Einig sind sich die Analysten in einem: Die Probleme gehen tief, sind strukturell bedingt. "Es ist offenkundig, dass der Fußball neu aufgebaut werden muss", sagte Sportminister Andrea Abodi: Dieser Prozess müsse "mit der Erneuerung der Verbandsspitze beginnen". Also mit der Demission von Gabriele Gravina. Diese fordern auch 40 Senatoren aus Regierungskoalition und Opposition.

UEFA-Boss Ceferin mit Italien-Weckruf

Doch während die Politik die Schuldigen im Fußball sucht, rät UEFA-Präsident Aleksander Ceferin: Schaut doch mal in den Spiegel. "Die Politiker tragen mehr Schuld als Gravina", der sein erster Vize-Präsident bei der Europäischen Fußball-Union ist, sagte Ceferin. "Ihr habt hier eine der schlechtesten Fußball-Infrastrukturen Europas."

Da sind die maroden Stadien, einerseits. Andererseits gibt es eine Fixierung auf ausländische Profis: Die AC Mailand stellte zuletzt nur einen Italiener in die Startelf, Tabellenführer Inter Mailand und Meister SSC Neapel je zwei. Nach 30 Spieltagen hat der beste einheimische Schütze der Serie A acht Tore erzielt.

Ein Blick nach Deutschland: Bayern München, Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart boten am vergangenen Bundesliga-Spieltag zusammen nicht fünf, sondern 16 Deutsche von Beginn an auf. Sechs Deutsche haben nach 27 Spieltagen acht oder mehr Tore erzielt.

Kein Wunder also, dass der italienische Senatspräsident Ignazio La Russa eine Prozent-Regel ins Gespräch bringt: Die Vereine sollten verpflichtet werden, mindestens vier italienische Spieler über die gesamte Spielzeit einzusetzen - nicht nur Milan, Inter und Napoli würden diese Hürde reißen. Como Calcio stürmt mit fünf Siegen in Serie Richtung Champions League, in keinem der Spiele mit einem Italiener von Beginn an.

Viele Kandidaten für Nationaltrainer-Posten

Auch deshalb sind viele Kritiker für Ceferin nicht mehr als Heckenschützen. "Es macht mich wütend und traurig, dass es Menschen gibt, die versteckt darauf warten, dass etwas schiefgeht, um dann hervorzuspringen", sagte er. "Sagt mir, welcher italienische Spieler wurde nicht berufen - und hätte berufen werden sollen?"

Sollte Gravina dennoch abtreten, gilt Giovanni Malagò, Ex-Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (CONI), als aussichtsreicher Kandidat. Auch populäre Namen, die Gennaro Gattuso als Nationaltrainer ablösen könnten, werden gehandelt. Napoli-Coach Antonio Conte beispielsweise, oder Roberto Mancini, Italiens Europameistertrainer von 2021.

Ja, vor fünf Jahren war Italien das heißeste Eisen im europäischen Fußball. Heute dagegen listen die Medien die schlimmsten Blamagen auf, beginnend mit der Niederlage gegen Nordkorea bei der WM 1966 - seitdem heißt eine schändliche Pleite in Italien "una corea".

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